| 1970 |
Studenten-WM (in Haifa) wird erstmals nicht
beschickt, wegen des aus DDR-Sicht politisch brisanten Austragungsortes,
halten sich die Diskussionen über die Nichtteilnahme in Grenzen |
| 1971 |
Studenten-WM in Puerto Rico und erstmals die
Junioren-WM (in Athen - wegen des aus DDR-Sicht wiederum politisch
brisanten Austragungsortes, halten sich die Diskussionen abermals in
Grenzen) werden nicht beschickt |
| 1972 |
Studenten-WM in Graz wurde nicht beschickt, die
Mannschaft mit Schöneberg, Espig, Vogt und Knaak wäre ein klarer
Medaillen-Kandidat gewesen – da unter Idealvoraussetzungen keine
Teilnahme erfolgt, wird man auch in Zukunft über Studenten- und
Junioren-WMs gar nicht mehr reden;
vorläufig letztmalige Teilnahme an einer Schacholympiade (in Skopje) |
| 1973 |
der ominöse Sportbeschluss von 1972 wird auf einem
Lehrgang der Nationalmannschaft bekannt gegeben, doch nie wird man ein
gedrucktes Wort darüber lesen |
| 1974 |
Nichtteilnahme an der Schacholympiade in Nizza –
nun merkt man auch im Ausland, was in der DDR vor sich geht, doch die
genauen Zusammenhänge werden nie verstanden, von Protesten irgend welcher
Art habe ich ebenfalls nie etwas erfahren;
auf der Habenseite steht die Aufnahme in den „innerdeutschen
Sportverkehr“2; Uhlmann nimmt am Turnier in Solingen3 teil, Knaak spielt
als Ersatz für Uhlmann in Amsterdam |
| 1975 |
im „innerdeutschen Sportverkehr“ nimmt ein
Westdeutscher am Turnier in Leipzig teil – die Entsendung von IM
Matthias Gerusel wird jedoch von Spielern und Offiziellen der DDR eher als
Enttäuschung betrachtet;
überraschende, letztmalige Teilnahme am Zonenturnier |
| 1976 |
Schacholympiade in Haifa ohne die sozialistischen Länder,
Uhlmann spielt das Interzonenturnier in Manila – letzte Teilnahme an
einem offiziellen FIDE-Wettbewerb bis 1988 |
| 1977 |
die 1. Teleschach-Olympiade beginnt, die DDR ist
nicht nur organisatorisch stark beteiligt (Armin Heinze) und kann so die
Auslosung steuern (!), sie ist auch das einzige Land, das diesen
Wettbewerb mit best möglicher Mannschaft bestreitet |
| 1978 |
das fällige Zonenturnier findet in Warschau statt -
ohne DDR-Beteiligung; der Beschluss von 1972 wird konsequent umgesetzt, es
könnte sich ja jemand qualifizieren und ein IZT wäre dann vielleicht im
Westen;
im Finale der 1. Teleschach-Olympiade unterliegt die DDR einer dritten
Garnitur der Sowjetunion |
| 1979 |
Knaak, mit Elo 2565 auf Rang 25 der Weltrangliste,
darf überraschend am Trunier der Kategorie 11 in Novi Sad teilnehmen, es bleibt eine Ausnahme |
| 1980 |
Beschluss über Abgabe der auf Turnieren erspielten
Geldpreise: von 100 auf 0 |
| 1981 |
Kleinere Turniere gewinnen für die Spitzenspieler
der DDR nun an Bedeutung: die stärksten Vereine Buna Halle und SG Leipzig
richten Turniere aus, deren Preise auch ausgezahlt werden. |
| 1982 |
im Finale der 2. Teleschach-Olympiade unterliegt die
DDR wiederum der Sowjetunion, aber diesmal erst in der äußerst knappen
Abschätzung. |
| 1983 |
Ungarn entwickelt sich zum Schachland Nr. 1 für
DDR-Spitzenspieler |
| 1984 |
Knaak spielt in Kolumbien – weil es nichts kostet,
wird es gestattet. |
| 1985 |
es gibt ein Wort, welches die DDR der 80er Jahre
kennzeichnet: Stagnation. Auch im Schach galt es: ein Jahr ist wie das
andere; allerdings wird es 1988 eine Veränderung geben – ein
Riesenunterschied zur allgemeinen gesellschaftlichen Situation |
| 1986 |
ein typischer Turnierkalender sieht so aus (von
Knaak): Vereinsturnier Leipzig, DDR-Meisterschaft + Stichkampf, drei
offene Turniere in Ungarn, ein Länderkampf in Sofia, 16 Partien Oberliga. |
| 1987 |
alles so ähnlich wie die Jahre davor |
| 1988 |
Klaus Eichler wird als Nachfolger von Manfred Ewald
Präsident des DTSB, nachdem er die Funktion schon vorher praktisch inne
hatte;
im Januar spielt Knaak in Wijk aan Zee – Auftakt für weitere
Turnierteilnahmen im Westen, die sich allerdings auf die Spieler Uhlmann,
Bönsch, Vogt und Knaak beschränken, was bei anderen natürlich zu
schweren Diskussionen führt;
Länderkampf DDR-BRD in Potsdam (ein Rückkampf ist allerdings nicht
vorgesehen)
erstmalig wieder Teilnahme an einer Schacholympiade (Thessaloniki) |
| 1989 |
Knaak wird Mitglied der GMA, U. Bönsch und Knaak
arbeiten für das ChessBase Magazin; Knaak nimmt im Dezember am GMA-Open
in Palma de Mallorca teil – obwohl nach der Maueröffnung stattfindend
ist doch die ganze Reise schon vorher organisiert |
| 1990 |
im Februar nimmt die DDR wieder an den
Zonenturnieren statt, auch dies stand lange vorher fest;
zwei absolute Höhepunkte des DDR-Schachs: im September, kurz vor der
Vereinigung der beiden Schachverbände, wird die 3. Teleschacholympiade
gewonnen; im November, also einen Monat nach Auflösung der DDR, nimmt
eine Mannschaft an der Schacholympiade teil – unter dem Namen DOR
(deutsche Ostrepublik spötteln wir) |
1 Natürlich ist diese Chronologie
nicht vollständig, z.B. ist kein Wort zum Frauenschach oder Fernschach gesagt
worden.
2 Zum Programm des
innerdeutschen Sportverkehrs gehörten normalerweise nur Sportarten der Gruppe
1, weil deren Kader allesamt überprüft waren.
3
Was in Solingen 1974 passierte, können andere sicher besser erzählen, nur
soviel: Ludek Pachman war eingeladen und wurde auf betreiben der Sowjets (Teilnehmer
Spassky und Polugaevsky) wieder ausgeladen. Im Westfernsehen gezeigte Berichte
und Interviews konnten Ewald und Co. sicher nur in ihrer Meinung bestätigen,
dass Schach nicht zu den "förderungswürdigen" Sportarten gehörte.